Blick auf das historische Rathaus in Reichelsheim Bingenheimer Str. 33

"Damals" in Reichelsheim

Text und Bild: Ottmar Hachenburger, Beienheim

Müllabfuhr in Beienheim

Die Müllabfuhr wurde in meiner Kindheit von meinem Vater Heinrich Hachenburger im Lohnfahrdienst getätigt. Eine genaue Jahresangabe kann ich nicht machen, da ich aber oft auf dem „Kutschbock“ sitzend mit ihm nach Weckesheim gefahren bin, würde ich zwischen 1955-1958 eingrenzen. Sein kleiner  Bauernhof in der Pfählergasse Nr. 6 forderte einen  Zuverdienst, so fuhr mein Vater also mit unserem „Gaul“ namens „Olga“ alle Gassen und Straßen von Beienheim ab und sammelte den "Unrat" ein. Durch die damals noch gebräuchliche Holz-Kohle-Brikett-Heizung war die Asche dominierend. Meist in größeren Blecheimern, die vom Lebensmittelhandel Spies oder Jung bezogen werden konnten. Diese wurden vorne im Anhänger geladen, was sonst noch so an Müll auf den Wagen musste, kam nach hinten. 

Die Fahrt mit „Olga“ dauerte schon eine Weile. In den Bruchfeldern links der Reichelsheimer Straße, noch ein Stück hinter Weckesheim, war die „Äschekaute“ -  hier hatte Walter Beck das sagen. Soweit ich mich erinnere, ein rauer aber herzlicher Mann, der schon gleich mit dem aussortieren von Wertstoffen (Altmetall, Holz) begann. Er war während des Abladens immer dabei und verbrannte schon gleich einen Teil des brennbaren Mülls.

Die Asche schippte mein Vater an einer anderen Stelle ab, danach kehrte er den Holzboden noch sauber und wir fuhren  zurück nach Beienheim. 

Kurze Zeit fuhr mein Vater auch mit seinem 18 PS Normag Traktor den Müll nach Weckesheim, da die „Äschekaut“  allerdings nicht leicht zu befahren war, nahm er lieber die „Olga“.

Nach Ablauf des Vertrages übernahm ein anderer Beienheimer Kleinbauer die Müllabfuhr.

Georg van Bashuisen, nebenher war er auch noch Faseltierhalter und Bäckermeister. 

Aus mehreren Artikeln der WZ entnommen:

Im Juni 1955 hatte Bürgermeister Kempf zu einer Bürgerversammlung eingeladen, um mit den Einwohnern in gemeinsamer Aussprache die wichtigsten Probleme der Gemeinde zu erörtern. Eines der Themen war die Beseitigung des anfallenden Mülls. Bürgermeister Kempf erläuterte anhand von Mustersatzungen, was bei einer solchen gemeinsamen Abfuhr als Müll zu gelten hat. Eine geregelte Müllabfuhr würde auch gerechterweise jeden Haushalt erfassen und nicht nur die Gemeindesteuerzahler belasten.

Ende Juni 1955 hatte der Gemeinderat die Einführung der obligatorischen Müllabfuhr beschlossen. Eine Kommission wurde beauftragt, die Durchführung der Müllabfuhr in einer Ortssatzung festzulegen und dem Gemeinderat zu unterbreiten. Im Dezember 1959 beschloß die Gemeindevertretung von Beienheim die Einführung der staubfreien Müllabfuhr. Die Lieferung der jeweils 50 Liter fassenden Ringmülleimer wurde einer Düsseldorfer Firma übertragen. Die Abfuhr selbst wird durch einen Unternehmer aus Steinfurth erfolgen. Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit der Hefrag und dem Fuhrunternehmer einen geeigneten Müllabladeplatz im Gemarkungsbereich festzulegen und die notwendigen Verträge auszuarbeiten.

Im Januar 1960 wurde in Beienheim die Gebührenordnung über die staubfreie Müllabfuhr vom Gemeinderat genehmigt und mit der Verteilung der Mülleimer auf die einzelnen Haushalte begonnen. Der Kaufpreis für die Mülltonnen beziffert sich je Haushalt auf 20 Mark und soll in vier Raten zusammen mit den Müllabfuhr-Gebühren entrichtet werden.

Im Oktober 1962 wird den umliegenden Gemeinden ein neuer Müllabladeplatz zwischen Reichelsheim und Dorn-Assenheim zuerkannt. Der an der Straße östlich von Weckesheim nach Reichelsheim gelegene Müllabladeplatz  wird zum 01.11.1962 geschlossen, da die PREAG dieses Gebiet nun in die Rekultivierungsmaßnamen einbezogen hat.

Bildbeschreibung: 

Auf dem Wagen unser Vater Heinrich Hachenburger, daneben ich (Ottmar) und meine verstorbene Schwester Karin. Links das kleine Häuschen, Pfählergasse 1, welches von“ Haxe Luische“  bewohnt wurde, daneben das Haus von Stefan Zinn (Berlinerstr. 27). Im Hintergrund Haus Seligmann, heute Berlinerstrasse 22. Die Scheune über dem Pferd gehörte zum Anwesen Richard Breidenbach, später baute die Tochter Melitta dort einen neuen Edeka-Laden. Rechts kann man die Umrisse vom Wohnhaus Pfählergasse 2-4 erkennen, es wurde 1924 von Maria und Adolph Bingel neu gebaut.

Der Artikel kann online unter  http://goo.gl/Ja8kG3  (Groß- Kleinschreibung beachten) aufgerufen werden.

Verantwortlich und Ansprechpartner:

Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)

Bingenheimer Straße 29
E-Mail:  h.diehl@web.de